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miércoles, 4 de febrero de 2026

Die Geschichte der Puppe: eine Wahriation in der Psychoanalyse

 Berlin, febrero 2026, publicado por Claudio Steinmeyer



Die Geschichte der Puppe: eine Wahriation in der Psychoanalyse

Frontansicht des Hauses von Franz Kafka in Berlin, in dem er von 1923 bis 1924 lebte.


Eine Wahrheit zu definieren ist etwas Komplexes. Es ist eines jener Signifikanten, die uns ein Leben lang selbstverständlich erscheinen, bis man sie genauer untersucht – und dann hören sie auf, selbstverständlich zu sein. Selbst in der Psychoanalyse haben wir kein geflügeltes Wort, um sie zu erklären: Es ist sogar einfacher, einen Trieb, die Liebe, das Begehren oder das Unbewusste zu definieren als die Wahrheit. Tatsächlich taucht der Begriff im berühmten Wörterbuch von Laplanche und Pontalis nicht einmal auf.

Ist die Wahrheit in der Psychoanalyse dasselbe wie die Wahrheit in der Moral? In der Religion? In der Logik? In der Wissenschaft? Ist die Wahrheit für einen Erwachsenen dieselbe wie für ein Kind – oder noch weiter gedacht, hat die Wahrheit unterschiedliche Auswirkungen je nach Geschlecht, männlich, weiblich, divers? Besteht die individuelle Wahrheit aus demselben Stoff wie eine kollektive Wahrheit?

Das sind keine Fragen, für die ich Antworten mitbringe – vielleicht eine Annäherung, eine Annäherung aus meinem psychoanalytischen Werdegang.

Wie Patricia Bosquin-Caroz (PBC) in ihrem Einführungstext zum Kongress treffend hervorhebt, müssen wir in der Lehre Lacans für die Dimension der Wahrheit als Variable offen sein (1).

Wenn Analyse bedeutet, eine Geschichte zu rekonstruieren, so PBC, oder sie sogar dort zu erfinden, wo das Trauma außerhalb der Sprache geblieben ist, dann werden wir sehen, wie der berühmte Schriftsteller Kafka in gewisser Weise als Kinderanalytiker wirkt.

Es handelt sich um eine Geschichte aus dem Buch von Paul Auster mit dem Titel Brooklyn Follies (auf Deutsch veröffentlicht als Die Brooklyn Revue) (2). Es ist eines der Gespräche, die der Protagonist des Romans, Nathan Glass, mit seinem Neffen Tom führt.

Und ich teile sie nun mit Ihnen, den Leserinnen und Lesern, die vielleicht noch nicht die Gelegenheit hatten, den Roman zu lesen.

Erinnern wir uns auch daran, dass Paul Auster zudem eine gewisse Nähe zur Psychoanalyse gehabt hat. Es handelt sich also um eine rührende Szene, die übrigens in Berlin spielt – wahrscheinlich im Stadtpark des Bezirks Steglitz, in der Nähe des Botanischen Gartens –, was dem Ganzen in unserem Rahmen eine besondere lokale Note gibt.


Paul Auster gibt also einen Dialog zwischen Nathan und seinem Neffen Tom wieder. Letzterer erzählt wiederum eine Geschichte, die ursprünglich von Kafkas Verlobter Dora Diamant berichtet wurde. Wir sehen hier also, wie die Erzählung mehrere subjektive Filter durchläuft – etwas, das der Psychoanalyse sehr entgegenkommt, wie Lacan im Seminar über Der entwendete Brief gelehrt hat und wie es sich heute in der Struktur des Passes wiederfindet.


Genug der Vorrede, und wenden wir uns einem zusammengefassten Auszug zu, den ich aus Paul Austers Geschichte vorbereitet habe. Ich bitte euch um Entschuldigung, dass ich hier ein wenig ausschweife, aber es erscheint mir wichtig, um die Entwicklung der Wahrheit in dieser Geschichte zu erfassen:


Der Protagonist des Romans, Nathan, trifft nach vielen Jahren seinen Neffen Tom wieder, und sie erzählen sich gegenseitig, was im Leben so geschehen ist. In diesem Zusammenhang erinnert sich Tom an eine Anekdote aus dem Leben Kafkas und macht sich daran, sie seinem Onkel zu erzählen.


“-Gut. Dann erzähl mir jetzt die Geschichte.

„Also schön. Die Geschichte. Die Geschichte mit der Puppe….Es ist Kafkas  letztes Lebensjahr, er hat sich in Dora Diamant verliebt, eine junge Frau von neunzehn oder zwanzig Jahren, die von ihrer chassidischen Familie in Poland fortgelaufen ist und jetzt in Berlin lebt. Sie ist halb so alt wie er, und doch ist sie es, die ihm den Mut gibt, Prag zu verlassen – was er seit Jahren hat tun wollen - , und sie wird die erste und einzige Frau, mit der er jemals zusammengelebt hat. Im Herbst 1923 kommt er nach Berlin, im Frühjahr darauf stirbt er; aber diese letzten Monate sind wahrscheinlich die glücklichsten seines Lebens. Trotz seines immer schlechteren Gesundheitszustandes. Trotz der gesellschaftlichen Verhältnisse in Berlin: Nahrungsmittelknappheit, politische Krawalle, die schlimmste Inflation der deutschen Geschichte. Trotz der Gewissheit, dass er nicht mehr lange auf dieser Welt leben wird.

Jeden Nachmittag geht Kafka im Park spazieren. Dora kommt meistens mit. Eines Tages begegnen einem kleinen Mädchen, es weint und ist vollkommen außer sich vor Schmerz.  Kafka fragt die Kleine, was denn los ist, und sie sagt, sie hat ihre Puppe verloren. 

 Und er denkt sich auf der Stelle eine Geschichte aus, um zu erklären, was da passiert ist. „Deine Puppe macht nur gerade eine Reise“, sagt er. „Woher weißt du das?“ fragt das Mädchen. „Weil sie mir einen Brief geschickt hat“, sagt Kafka. Das Mädchen scheint misstrauisch. „Hast du ihn bei dir?“ fragt es. „Nein“, sagt er, „ich habe ihn zu Hause liegen lassen, aber ich werde ihn dir morgen mitbringen.“ Er spricht so überzeugend, dass die Kleine nicht mehr weiß, was sie denken soll. Ist es denn möglich, dass der seltsame Fremde die Wahrheit sagt?

Kafka kehrt sofort nach Hause zurück, um den Brief zu schreiben. Er setzt sich an seinen Schreibtisch, und Dora, die ihn beobachtet, bemerkt, dass er mit der gleichen Ernsthaftigkeit und Spannung zu Werke geht wie bei seiner schriftstellerischen Arbeit. Er hat nicht vor das kleine Mädchen hinters Licht zu führen. Das ist echte literarische Anstrengung, denn er will das unbedingt richtig hinbekommen. Er braucht eine schöne, überzeugende Lügengeschichte, die den Verlust des Mädchens durch eine andere Wirklichkeit ersetzen will – eine Falsche Wirklichkeit, mag sein, aber wahr und glaubhaft nach den Gesetzen der Dichtung.


Am nächsten Tag eilt Kafka mit dem Brief in dem Park zurück und liest den Brief vor. Die Puppe ist untröstlich, aber sie konnte es einfach nicht mehr ertragen, immer mit denselben Menschen zusammen zu sein. Sie will in die weite Welt hinaus und neue Freunde kennen lernen. Natürlich hat sie das kleine Mädchen sehr gern, aber sie sehnt sich nach Abwechslung, und daher müssen sie sich für eine Weile trennen. Zum Schluss verspricht die Puppe, der Kleinen täglich zu schreiben, und sie über ihre Erlebnisse auf dem Laufenden zu halten.


An dieser Stelle wird die Geschichte nun wahrlich herzzerreißend……..


 ………Und drei Wochen lang geht er täglich in den Park und liest dem Mädchen einen Brief vor. 

………..Nachdem er verschieden Möglichkeiten durchgespielt hat, entscheidet er sich schließlich, die Puppe zu verheiraten…….Und in der letzten Zeile nimmt die Puppe endgültig Abschied von ihrer geliebten alten Freundin.


Natürlich vermisst die Kleine ihre Puppe inzwischen gar nicht mehr. Kafka hat ihr stattdessen etwas anderes geschenkt, und am Ende dieser drei Wochen haben die Briefe sie von ihrem Unglück geheilt. Jetzt hat sie die Geschichte, und wenn ein Mensch das Glück hat, in einer Geschichte, in einer Phantasiewelt leben zu dürfen, legen sich die Schmerzen der wirklichen Welt. Solange die Geschichte weitergeht, existiert die Wirklichkeit nicht mehr. “


Es ist bemerkenswert, wie Auster in der gerade gehörten Geschichte auf die Wahrheit als Fiktion anspielt, ganz ähnlich wie Lacan die Wahrheit im Seminar VII (und später in Lituratierra) konzeptualisiert und wie PBC es genau zitiert: „Die Wahrheit hat die Struktur einer Fiktion."


Die Wahrheit ist also schon sehr schwer zu definieren; die Fiktion ist diesbezüglich nicht weniger komplex. Was ist eine Fiktion? Selbst die Literaturwissenschaft hat Schwierigkeiten, sie zu bestimmen. Zweifellos gehört zu den zentralen Punkten der Fiktion in der Literatur der sogenannte fiktionale Pakt, also etwas wie die Zustimmung des Lesers, sich für eine Weile täuschen zu lassen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass es in der Fiktion nicht darum geht, dass alles Mögliche geschehen kann, sondern dass das, was aus der Vorstellungskraft des Autors hervorgeht, einen Sinn bietet – selbst wenn es sich um Kriege in fernen Galaxien handelt.


Bei Freud selbst gibt’s den Unterschied zwischen den eigenen Erinnerungen aus unserer Kindheit und dem, was andere uns über unsere Kindheit erzählt haben – eine Unterscheidung, die in jeder Analyse immer wiederkehrt. Es ist etwa so, als beginne das, was andere uns gesagt haben, sich mit unseren eigenen persönlichen Beobachtungen zu vermischen. Die Erzählungen der anderen beginnen wie literarische Fiktionen zu wirken, die der Wahrheit eine Struktur verleihen. Nicht umsonst spricht Freud vom Familienroman des Neurotikers, d. h. einer familiären Fiktion mit Wahrheitswert.


In dieser Linie treibt PBC das Thema weiter voran, indem er uns dazu einlädt, die Fiktionen nicht als Illusionen oder Täuschungen zu betrachten, sondern als Mythen oder als kindliche Sexualtheorien, das heißt als „narrative Strukturen, die es erlauben, das Unsagbare“ – das Traumatische, das Reale – „fassbar zu machen“.

PBC fügt hinzu:

„Der Diskurs, der sich im analytischen Diskurs etabliert, ist eine Frage der Fiktion, eine lügnerische Wahrheit. Die Sprache ist ein Schein, und in Bezug auf das Reale kann sie nur lügen.“


Aus dieser Perspektive erscheint die Fiktion somit als eine lügnerische Wahrheit, als eine Art symbolische Konstruktion, die dazu dient, dem Realen ein Ausdruck zu verleihen, über das niemals die ganze Wahrheit gesagt werden kann. Von hier aus wird es interessant, darüber nachzudenken, was eine lügnerische Wahrheit von einer Fake News unterscheidet: Handelt es sich stets um dieselbe Position des Subjekts gegenüber der Wahrheit?


Meiner Ansicht nach ist es auf diese Weise, dass die Wahrheit aufhört, im Feld der Moral eingeschrieben zu sein (als Gegensatz zur Lüge in Bezug auf eine immanente, dauerhafte Wahrheit), und sich vielmehr im Feld der Ethik verortet – genauer gesagt, in der Ethik der Psychoanalyse, sofern es sich um eine Wahrheit handelt, die, um erneut PBC zu zitieren: „Für Lacan nicht ohne eine Erzählung geht, die die Kontinuität der Geschichte des Subjekts wiederherstellt und dem Sinn verleiht, was nicht gesagt werden konnte oder nur kaum gesagt werden konnte.

Die Erzählung übernimmt die Verantwortung für das, was als ein Loch in der Realität des Subjekts verbleibt, und gibt so seinen Traumata, seinen unauslöschlichen Bildern und seinen monumentalen Szenen einen Sinn.“ (5)


Es handelt sich nun um eine sich wandelnde Wahrheit, eine Wahrheit, die voranschreitet und zurückweicht. Eine Wahrheit nach Epochen. Eine lügnerische Wahrheit. So beschreibt Miller das, was sich in einer Analyse vollzieht.  

In diesem Zusammenhang scheint es mir angebracht, an dieser Stelle Freud zu zitieren: „Sehr häufig gelingt es uns nicht, den Patienten dazu zu bringen, sich an das zu erinnern, was verdrängt worden ist. Stattdessen erzeugen wir, sofern die Analyse korrekt durchgeführt wird, in ihm eine feste Überzeugung von der Wahrheit der Konstruktion, die dasselbe therapeutische Ergebnis erzielt wie eine wiedererweckte Erinnerung.“ (6)

Auf diese Weise verstehe ich, dass die Konstruktion keine Fake News ist oder – in der heutigen Terminologie – nicht dem Register der Post-Wahrheit angehört. Die Konstruktion, die Kafkas Briefe darstellen, setzt etwas von der Ordnung der Übertragung in ihrer Dimension der Liebe ins Spiel. An diesem Punkt können wir daran erinnern, wie Lacan in Lituraterre die Fiktion auf die Höflichkeit bezieht, und bei Lacan ist die Höflichkeit Liebe. Währenddessen mobilisieren Fake News den Hass.

Und tatsächlich gelingt es dem Mädchen, eine gewisse Erleichterung zu finden, indem sie ihre Subjektivität wieder in eine Geschichte reintegriert, die ihr – in invertierter Form – das in ihrem eigenen Versprecher verborgene Begehren zurückgibt, nämlich das Begehren, die Puppe zu verlieren.







LITERATUR


1) Bosquin-Caroz, P., Varity. Variations of Truth in Psychoanalysis. Presentation of the NLS Congress Theme 2026, p.1. Available at: https://www.amp-nls.org/wp-content/uploads/2025/07/ARGUMENT-NLS-CONGRESS-2026-PBC.pdf


2) Auster, Paul, Die Brooklyn-Revue, trans. W. Schmitz, Berlin, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2012, Chap. „Nach Norden“ – p. 176-180


3) Lacan, J., The Seminar of Jacques Lacan, Book VII (1969–1970), The Ethic of Psychoanalysis, ed, J.-A. Miller, trans. Diana Rabinovich, Buenos Aires: Ed. Paidos, Chap. 1, p.22


4) Bosquin-Caroz, P., Varity. Variations of Truth in Psychoanalysis. Op. cit p.4


5) Bosquin-Caroz, P., Varity. Variations of Truth in Psychoanalysis. Op. cit p.7


6) Freud, S. Konstruktionen in der Psychoanalyse.1937 Gesammelte Werke - trans. Dr. López Ballesteros – Madrid, Biblioteca Nueva 1981 – Band III -  Parag 3 – S. 3371



Weitere - nicht zitierte Literatur:


1) D o r a D i a m a n t , ›M e i n L e b e n m i t F r a n z K a f ka‹ , i n : »Als Kafka mir

entgegenkam ...« Erinnerungen an Franz Kafka, h r s g . v o n H a n s-G e r d K o ch , B e r l i n 1 9 9 5 , S . 1 7 4-1 8 5 .

2) Donald Winnicott: Vom Spiel zur Kreativität

3) Was ist Fiktion in der Literatur:  Julián Pérez Porto y Ana Gardey /

4) Unterrichtnotizen aus Vorlesungen „Einführung in die Literaturwissenschaft“ der Freie Universität Berlin 2025







sábado, 6 de diciembre de 2025

Seminario Berlín / 30.01.26 - Tratamiento de la verdad en el psicoanálisis lacaniano de niñxs

 

Berlin, Dec. 2025, posted by Claudio Steinmeyer




Tratamiento de la verdad en el psicoanálisis lacaniano de niñxs

El próximo viernes 30/1/26 a las 18:30 presentaré una viñeta clínica tomada de la literatura y en la que Kafka como que hace de analista de una niña. Articulación teórica con el seminario VII, Construcciones y el texto de presentación de las próximas jornadas europeas sobre las variaciones de la verdad.

Será en la Biblioteca de nuestra institución Iniciativa Berlin de la New Lacanian School en Charlottenburg Berlín. Modalidad: en alemán presencial y zoom. Publicación disponible en castellano. + info e inscripciones en breve.




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domingo, 2 de febrero de 2025

ZWISCHEN TRIEB UND BEGEHREN GIBT ES DIE LIEBE

 Berlin, Jan 2025, posted by Claudio Steinmeyer




ZWISCHEN TRIEB UND BEGEHREN GIBT ES DIE LIEBE

Claudio Steinmeyer

(Mein Beitrag 10.01.25 am Seminar der Lacansche Initiative Berlin als Vorbereitung zum New Lacanian School Kongress „Painful loves“)





Als ich den Titel des Themas zum ersten Mal hörte, war ich sofort begeistert. Schon lange hatte ich Lust, über die Liebe zu schreiben. Insbesondere über die Liebe und ihre Beeinflussung durch das Begehren, vielleicht ausgehend davon, wie sie sich dieses Zusammenhang in der klinischen Praxis nach der Pandemie zu manifestieren begann. Und auch versuchen, die beiden Mechanismen zu hinterfragen, die Lacan für Liebe und Begehren privilegierte, nämlich die Metapher und die Metonymie.

Dann überraschte mich der Gebrauch des Singulars im deutschen Titel: schmerzhafte Liebe und nicht schmerzhafte Lieben.

Ist die Liebe immer eine, dieselbe, und auch ihr Schmerz?

Wird der englische Originaltitel ins Spanische übersetzt, begegnet uns ein Plural, "amores dolorosos" (schmerzhafte Lieben), der leicht an den Titel eines großartigen mexikanischen Films erinnert: Amores Perros (aka Deutschland: Von Hunden und Menschen), ein Film, der zufällig von der Liebe handelt, wenn sie schmerzhaft ist.

Heute bringe ich weder feste Schlussfolgerungen noch solide neue Ideen mit, sondern einfach einige Überlegungen und Fragen, die aus meiner Praxis und meiner Lektüre entstanden sind. Und besonders, um die Diskussion aus den vorherigen Präsentationen meiner Kolleg*innen hier, fortzusetzen. Es handelt sich also um eine Art Work-in-Progress.

Erinnern wir uns kurz an das, was die Psychoanalyse uns lehrt: Alles, was mit menschlicher Sexualität zu tun hat, ist das Ergebnis der Schnittstelle von drei Feldern: dem Trieb, der Liebe und dem Begehren (das wir vom freudschen Wunsch differenzieren müssen). Alles, was im Tierreich durch den Instinkt perfekt für Fortpflanzungszwecke funktioniert, wird beim Menschen kompliziert, da das Trauma der Begegnung des Subjekts mit der Sprache ins Spiel kommt.

Auf diese Weise überschneiden sich diese drei Felder nicht vollständig, insbesondere in Bezug auf das Objekt und den Anderen. Und um die Dinge noch komplizierter zu machen, wie wir in den vorherigen Vorträgen gesehen haben, zeigt jedes dieser Felder bei jedem sprechenden Wesen wiederum spezifische Weisen des Verknotens in Bezug auf die Register des Realen, Symbolischen und Imaginären.


Wie unsere Kollegin aus Argentinien, Nieves Soria, entwickelt, rückt das Verknoten all dessen auf der Ebene der Liebe bei sprechenden Wesen immer die Dimension des Körpers in den Vordergrund (1). Wir können mit Soria sagen, dass die Liebe der unmögliche Knoten zwischen dem Körper eines Mannes und dem Körper einer Frau ist. Natürlich gibt es andere Arten von Liebe, andere Gender. Aber bleiben wir heute bei dem, was zwischen einem Mann und einer Frau geschieht – das sollte mehr als genug sein, um uns heute zu beschäftigen.

In diesem Sinne positioniert Lacan das Christentum sehr klar als dasjenige, das der heutigen Liebe im Westen ihren Status verlieh und mit der Ankunft der höfischen Liebe einen besonderen Höhepunkt erreichte (erinnern wir uns nebenbei daran, dass man von keinen höfischen Begehren spricht).

Ich habe bemerkt, dass in letzter Zeit die Patienten eher wegen Liebesangelegenheiten als wegen phänomenologische Problemen mit dem Begehren in die Praxis kommen. Und diese Liebesangelegenheiten sind von der jeweiligen Epoche geprägt. Unsere Epoche ist die postpandemische, von der Technologie durchdrungene Zeit. Eine Technologie, die, wie unser Kollege J. Alemán oft sagt, nichts anderes ist als die Metamorphose der Wissenschaft im Zeitalter des Kapitalismus. So kommen Patienten zu uns, die von Einsamkeit, Verlassenheit, Themen wie Likes, blauen Häkchen oder Problemen mit Ghosting überwältigt sind.

Zurück zu diesem komplexen Geflecht von Verknüpfungen und Wechselbeziehungen zwischen S, I, R sowie Liebe, Begehren und Trieb sagt Lacan, dass es keine sexuelle Beziehung/ bzw Verhältnis oder Komplementarität zwischen Männern und Frauen gibt. Es gibt dort eine Lücke, oder besser gesagt eine Kluft, die durch das Signifikante geöffnet wird, und in der die Liebe eine Funktion einer gewissen Ersatzmetapher übernimmt, um die Knoten zu stabilisieren und ein Treffen zwischen den Geschlechtern zu ermöglichen.

Genau das wird im Einführungstext zum Thema des Kongresses von Patricia Bosquin-Caroz sehr treffend formuliert, wenn sie es folgendermaßen ausdrückt:

“Doch gerade, weil das Begehren nicht mit seinem Objekt zusammenfällt, tritt die Bedeutung der Liebe hervor, die sich aus einer ganz besonderen Operation – der Metapher der Liebe – ergibt. Wir können hier bereits die Prämissen einer späteren These Lacans erkennen: Die Liebe dient als Ersatz für das Nicht-Verhältnis der Geschlechter (non-rapport sexuel).” (2)

Lassen wir uns einen Moment bei der Frage des Begehrens und seiner Nicht-Übereinstimmung mit dem Objekt aufhalten.

Lacan bietet mehrere Konzeptualisierungen zu diesem Thema, die sich auf das Seminar VI und seinen zeitgleichen Text "Die Lenkung der Kur und die Prinzipien ihrer Macht"  beziehen. (3)

Zitieren wir einige:

Das Begehren ist die Metonymie des Mangels an Sein.

Dass der genitale Akt seinen Platz in der unbewussten Artikulation des Begehrens finden muss, das ist die Entdeckung der Analyse. (S. 613)

Die Analyse: sie lässt das Subjekt im Traum als Begehrendes wiederfinden, im Gegensatz dazu, es als Subjekt zu erkennen. (S. 615)

Das Begehren hält lediglich fest, was die Analyse subjektiviert. (S. 615)

Das Begehren manifestiert sich in der Lücke, die die Forderung unterhalb von sich selbst aufreißt, da sie den Mangel des Anderen ins Spiel bringt.

Was dem Anderen gegeben ist zu füllen, da auch ihm das Sein fehlt, ist das, was man Liebe nennt.

Um die liebe Hebe Tizio zu zitieren, die uns leider vor Kurzem verlassen hat:

„Das Begehren wird durch die Metonymie definiert als ein Effekt der Abfolge von Signifikanten. Dies macht es substanzlos, weshalb von der 'Metonymie des Mangels im Sein' gesprochen wird.

Auf diese Weise steht das Begehren in Beziehung zum durchgestrichenen A (A-barred), was bedeutet, dass es von vornherein keinen Punkt de capiton (Stepppunkt) gibt, der die Metonymie zum Stillstand bringen könnte …“ (4)

Und es gibt keine sexuelle Beziehung / Verhältnis u. A. aufgrund der Präsenz des Begehrens, das immer flüchtig, metonymisch und vom Signifikanten abhängig ist, nicht jedoch von den natürlichen Objekten des Instinkts. Jacques-Alain Miller beschreibt das sehr gut: 

“Die Liebe, insbesondere die traditionelle westliche Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, hat ein spezifisches Geburtsdatum und einen bestimmten Ort: die höfische Liebe. Seit den Höfen des Mittelalters ist viel Wasser den Fluss hinuntergeflossen, insbesondere mit dem Aufkommen der Sexuierung und der Gender-Theorien.

Doch eines bleibt unverändert: Diese menschliche Erfindung, die Liebe, entstand, um einen strukturellen Mangel auf der Ebene des Begehrens zu korrigieren: das „Es gibt keine sexuelle Beziehung/Proportion“. (5) 

Zur metaphorischen Perspektive der Liebe kommt hinzu, dass sich das Begehren vielleicht in einer eher metonymischen Dynamik einschreibt, 

Die Liebe würde also als ein Ankerpunkt fungieren, den man vielleicht sogar als point de capiton (Stepppunkt) bezeichnen könnte, der nicht nur die Metonymie des Begehrens stoppt, um sich mit einem bestimmten Objekt zu verbinden, sondern auch dessen Eintragung in eine bestimmte historische Diachronie, bzw eine Geschichte, ein Narrativ, ermöglicht.

Der Trägheit, der Statik der Liebe und ihrem metaphorischen Wert kann nur durch das Begehren und dessen metonymisches Handeln entgegengewirkt werden. Umgekehrt kann die metonymische Drift des Begehrens nur durch den synchronischen, metaphorischen Schnitt gestoppt werden, den die Liebe durch eine kontingente Begegnung einbringt.

Wir gelangen so in eine Dynamik, ja sogar Dialektik zwischen Liebe und Begehren, die möglicherweise theoretische und klinische Aktualisierungen benötigt – insbesondere seit der Pandemie und der Explosion der Nutzung sogenannter „antisozialer Netzwerke“, wie sie der argentinische Journalist Horacio Verbitsky nennt. Auf diese Weise begegnen wir nun in der Praxis Erzählungen von schmerzhaften Lieben, die sich durch neue Phänomene wie „Ghosting“ – das Ignorieren des Anderen –, „Gaslighting“ (manipulieren, erniedrigen), „Benching“ und andere soziale Netzwerkephänomene manifestieren. 

Im Bereich der Liebe ist es sogar möglich, auf der Seite des anderen die Erfindung einer Liebe zu erzwingen, wie der von Freud aufgeklärte Mechanismus der Hypnose zeigt, der auch im kürzlich zitierten Einführungstext des Kongresses von P. Bosquin-Caroz erwähnt wird. Der Analytiker kann sich in i(a) positionieren und die Effekte der Verliebtheit fördern, die sowieso strukturell in der Übertragung schon gegeben sind. Er kann auf die Ansprüche antworten, was die Analyse, wie Lacan in Lenkung der Kur (op. cit S. 615) sagt, in die Suggestion führt.

Was jedoch schwieriger ist, ist die Erfindung eines Begehrens; dies bleibt immer auf der Seite des Zuhörens, des Symbolischen, der Interpretation.

Meine Wege zum Weiterarbeiten:

Wenn die Liebe daran scheitert, den Genuss mit dem Begehren zu versöhnen, beginnen wir zu leiden. Unsere Liebe rückt näher an die Seite des Genusses, an die inzestuöse Seite, ohne Beeinflussung durch die symbolische Kastration. Während das Begehren es ermöglicht, dass unsere Liebe nicht an den Genuss des Anderen gebunden bleibt. Das Begehren enthält eine Art Versprechen des Gleitens, das dafür sorgt, dass "das Fehlen nicht fehlt" angesichts der Statik (synchronisch-metaphorisch) der Liebe.  

Wie Jèrôme Lecaux kürzlich in unserem Leseseminar über Die Angst sagte: Eine Sache ist die Liebe mit Begehren, eine andere Sache ist die Liebe ohne Begehren. Von dort aus können wir weiter darüber nachdenken, dass sich Liebe ohne Begehren strukturell als Folge des Inzestverbots manifestieren kann: Du kannst deine Mutter lieben, aber nicht mit ihr schlafen. Oder als Ergebnis klinischer Hemmungen, wie es in Lacans Text über die Jugend von Gide und seine Beziehung zu seiner Cousine Madeleine zu sehen ist – eine Liebe ohne Begehren, eine "weiße Ehe." Später werden wir den Fall von Männern betrachten, bei denen das Gegenteil der Fall ist: Sie begehren Frauen, aber die Liebe bleibt ausgelassen.

Es scheint mir an diesem Punkt angebracht, daran zu erinnern, dass, auch wenn das Thema der Liebe in den Werken von Freud und Lacan in gewisser Weise homogener ist, dies bei der Frage des Begehrens nicht der Fall ist.

Natürlich konnte Freud auf der Ebene der Liebe nie eine Form der Liebe formulieren, die nicht narzisstisch oder anaklitisch war. Lacan brauchte lange Zeit, erst in Seminar XX konnte er über die femenine Liebe sprechen, die in einer anderen Logik als der freudianischen verankert ist. Es handelt sich nun um die "nicht-alles"-Liebe, die über eine imaginäre Liebe hinausgeht.

Vor ein paar Jahren fand auch in Latein-Amerika ein internationales Treffen des Freud'schen Feldes über das “Neue in der Liebe” statt. Dabei wurden mehrere Ansatzpunkte erörtert, basierend auf der Präsentation unseres Kollegen Ronald Portillo:

Bei Freud ist die Liebe Wiederholung. Bei Lacan hingegen hat die Liebe eher den Charakter eines Aufeinandertreffens als eines Wiederfindens; eine Kontingenz eher als eine Notwendigkeit der Wiederholung.  Es ist etwas von der Tyche im Spiel und nicht nur vom Automatismus. In der lacanschen Liebe gibt es etwas Reales und etwas von der Erfindung. Das, was die nicht vorhandene sexuelle Beziehung/Verhältnis ersetzt, ist die Liebe. (6)

Was das Begehren betrifft, ist klar, dass Freud dem Begriff Wunsch Vorrang gab, stark verbunden mit der Formel aus seiner Traumdeutung: Der Traum ist die Erfüllung eines kindlichen und unbewussten Wunsches. Betonen wir das Wort Erfüllung.

Bei Lacan hingegen nimmt das Wort Begehren zweifellos eine viel verbreitete Dimension in seinem Werk ein: das Begehren als Begehren des Anderen, das Begehren nach Nichts, neidisches Begehren, Begehren und Interpretation, Bedürfnis, Forderung und Begehren, das Begehren des Analytikers usw. 

Auch die gesamte lacansche Klinik kann im Hinblick auf die Positionen des Subjekts in Bezug auf das Begehren organisiert werden: unbefriedigt, vorsorglich, unmöglich, verleugnet, verworfen.

Das Begehren entsteht zwischen dem Bedürfnis und dem Anspruch, und bei Lacan ist der Anspruch immer ein Anspruch nach Liebe. Hier sehen wir, wie sich Liebe und Begehren zu verflechten beginnen.

Doch zweifellos bleibt die Referenz auf das Objekt wie bei Freud erhalten, präsentiert jedoch eine wichtige Verknüpfung mit dem Anderen, eine Dimension, die bei Freud offensichtlich nicht vorhanden ist. Das Begehren ist mit dem Anderen. Das Begehren ist immer das Begehren des Anderen, wie einer der wichtigsten lakanschen Aphorismen lautet

Die Liebe, um erneut auf Portillo zurückzukommen, ermöglicht es in einer Paarbeziehung, daran zu glauben, dass man das, was dem Begehren fehlt, in dem Anderen erreichen kann. Nicht nur das, denn gleichzeitig erleichtert den Zugang zu der Befriedigung, nach der der Trieb strebt. (6 op. cit)

Abschließend sei daran erinnert, dass für Lacan das Begehren des Analytikers darin besteht, "die Liebe zum Schweigen zu bringen" (7). Man fördert dann so die Metonymie der freien Assoziation.

Mit diesen Überlegungen können wir nun eine ganz besondere Form der schmerzhaften Liebe einordnen: wenn die Liebe sich vom Begehren löst.

Kürzlich las ich in einem Facebook-Post jemanden, der ein Zitat von Recalcati aufgriff, in dem die Etymologie des Wortes „Begehren“ erläutert wird. Es stammt vom lateinischen „unter dem Himmel stehen und die Sterne betrachten, um sich zu orientieren“; das Begehren ist ein Kompass, ein Kompass, der uns im Realen orientiert.

Daher sagt Lacan, dass man sich nur für eines schuldig fühlen kann: dafür, seinen Kompass, sein Begehren (nicht die Liebe wie beim Christianismus Gebote), aufgegeben zu haben.

Wir haben also die Fälle von Störungen des Begehrens, wie Impotenz oder Frigidität, die in der psychoanalytischen Literatur so ausführlich beschrieben werden. Wie Natalie Wulfing sie in unserem ersten Treffen eingeordnet hat, handelt es sich immer um Variationen, Sackgassen und misslungene Fixierungen einer allgemeinen Degradierung des erotischen Lebens: Wenn der Mann zu sehr an die Liebe zu seiner Mutter gebunden bleibt und keine anderen Frauen begehren kann. Es gibt auch das Gegenbeispiel von Männern, die nur Frauen begehren können, aber wo die Liebe keine Rolle spielt; die gesamte Sexindustrie basiert auf diesem Umstand. Ebenso gibt es Frauen, die ebenfalls an die Liebe zur Mutter fixiert bleiben, ohne diesen Übergang vollziehen zu können, ein Kind vom Vater und später von einem anderen Mann zu begehren.

Um zum Abschluss zu kommen:, erinnert Lacan (8) daran, dass er sich dafür entschieden hat, den Begriff der Angst zu entwickeln, weil dadurch die gesamte Dialektik des Begehrens neu belebt wird. Er trifft eine sehr klare topologische Unterscheidung zwischen Begehren und Angst. Während der Punkt der Angst im Anderen liegt, im Körper der Mutter, gehört das Begehren zum Phantasma, zur Dialektik von Phallus/Kastration, die das Symbolische einführt.

Es ist eine Tatsache, dass viele Patienten aufgrund von Liebesproblemen in die Analyse kommen, deren Affekte Angst sein können, aber auch Traurigkeit oder Schmerz über das abwesende Objekt, den Anderen, “der/die mich nicht mehr lieben kann”. Patienten suchen eher keine Hilfe, wenn sie es sind, die sich trennen, sondern wenn der Andere sich trennt. In diesem Fall verliert die Frage „Was bin ich für den Anderen?“ ihre stabilisierende Antwort. Hier befinden wir uns im Bereich der Liebe.

In diesem Sinne wäre die Traurigkeit eher auf der Seite der Liebesstörungen in ihrer metaphorischen Dimension zu verorten, während die Angst mehr auf der Seite des Begehrens liegt, der Metonymie, die ihren Knotenpunkt verliert.

Wenn das Unbewusste wie eine Sprache strukturiert ist, kann man denken, dass seine beiden großen Operationen (Metapher und Metonymie) genau dann unterschiedliche Wirkungen hervorrufen, wenn sie nicht aufhören, sich nicht zu schreiben. Das heißt, der Subjekt ist dann näher dem Es/Über-Ich ausgesetzt, dem Triebhaften, dem Genießen. Während, wenn diese Operationen auf der Seite des 'Aufhören des Nicht-Schreibens' funktionieren, dann kommt die Kontingenz ins Spiel, die beruhigt, die stabilisiert.

Wir können abschließend sagen, dass es in einer Analyse um den Trieb des Subjekts, die Liebe zum vermuteten Wissen des Analytikers und um das Begehren des Analytikers geht.


LITERATUR:

(1) Soria, N., Nudos del amor, Buenos Aires: Ed. Del Bucle, 2nd. edition 2018, Kapitel 1, pp 11-25

(2) Bosquin-Caroz, P., Präsentation des Kongressthemas: Schmerzvolle Lieben, Webseite der New Lacanian School, 2025. Online erreichbar.

(3) Lacan, J., “Die Lenkung der Kur und die Prinzipen ihrer Macht“ - Schriften II, Trans. Hans-Dieter Gondek, Berlin-Wien: Verlag Turia-Kant, 2015, Parag. #14

(4) Tizio, H., “Deseo e interpretación”.  XVII Jornadas de la Escuela Lacaniana de Psicoanálisis. Tema ¿Quieres lo que deseas? Barcelona, 2018. Online erreichbar.

(5) Miller, J.A.,  „Zeichen der Liebe”, Artikel in der Zeitung Página 12, freie inoffizielle Übersetzung, Buenos Aires, 3. März 2011, Online erreichbar.

(6) Portillo, R., “ Die Liebe als Erfindung”, freie inoffizielle Übersetzung,  Vortrag bei dem XII. Kongress Freud'sches Feld und X. Enapol, Thema des Kongresses: Das Neue in der Liebe, ,  Santiago Chile, 2021, online erreichbar.

(7) Lacan J., „Rede an die Katholiken“ , Trans. Hans-Dieter Gondek, Wien / Berlin: Turia Kant Verlag, 2006, S.13

(8) Lacan, J., Das Seminar, Buch X: “Die Angst”, Ed. J.-A. Miller , Trans. Hans-Dieter Gondek, Wien / Berlin: Turia Kant Verlag, 2010, Seiten 249–257





sábado, 5 de octubre de 2024

Seminar Initiative Berlin "Schmerzvolle Liebe"

 Berlin, Oct. 2024, posted by Claudio Steinmeyer





Hast du wegen der Liebe gelitten? Unerfüllte oder unmögliche Lieben? Eifersucht? Zerbrochen am Ghosting?
Kann man lieben, ohne zu begehren? Begehren, ohne zu lieben? Und was, wenn du den begehrst, den du liebst….
Zweifellos hat die Psychoanalyse dazu etwas zu sagen. Ihre Technik besteht genau darin, in diesen Fragen Erleichterung zu bringen. Die Psychoanalyse, aus der Nähe betrachtet, ist nichts anderes als ein Diskurs über die Liebe. Vielleicht der letzte Diskurs unserer Zeit, zusammen mit der Poesie.
Verpasst nicht unser nächstes Seminar über Schmerzvolle Liebe, veranstaltet von der Initiative Berlin der New Lacanian School. (Anfragen, Anmeldung: nlsinitiativeberlin@gmail.com )
Start: 08.11.2024 – 18:00 Präsenzveranstaltung in der Bibliothek der Initiative Berlin
Wir freuen uns auf dich!








jueves, 4 de mayo de 2023

La movida Zadig en Berlín

 Berlin, May 2023, posted by Claudio Steinmeyer


 

Link a Zadig España: https://zadigespana.com/



Grupo Berlin y sus actividades orientadas por el espíritu Zadig

por Claudio Steinmeyer (psicólogo UBA, psicoanalista miembro de LOB- Orientación Lacaniana Berlín) – Abril 2023

 


Plaza Marx / Engels en Berlín cerca del Dom



 

Antes que nada, agradecer a Oscar Strada la invitación que me hizo para conversar e interiorizarse sobre la historia reciente del psicoanálisis en Berlín en lo que a nuestro grupo se refiere. Él está trabajando estos temas en el excelente Seminario de historia contemporánea del Psicoanálisis que junto con Oscar Ventura están brindando en el Seminario del Campo Freudiano de Alicante.

En esta ocasión voy a centrar el recorrido en las actividades que hicimos directamente como Zadig Berlín o bien que estuvieron simplemente impregnadas por el espíritu Zadig.

Una red, Zadig (acrónimo de Zero Abjection Democratic International Groupe ), que Jacques-Alain Miller puso en marcha allá por 2017 con el objetivo de  generar efectos en la política desde el discurso psicoanalítico. Una red destinada a contribuir en contener los avances de la ultraderecha, del racismo, la intolerancia, la exclusión del otro diferente. Y alentar al deseo de democracia.

Cualquiera podía sumarse a dicha red a condición de no pertenecer a ningún partido político. Se trata más bien, como decía Miller citando a Simone Weil, de que en política haya gente fiel a su propia luz interior.

Y en Berlin nos sumamos con entusiasmo.

Nuestra iniciativa Berlin, adscripta a la NLS-New Lacanian School a su vez una de las escuelas integrantes de la AMP-Asociación Mundial de Psicoanálisis, había sido recientemente creada, poco antes de Zadig, por lo que de alguna manera somos “contemporáneos”.

Como bien le escuché decir a  Oscar Ventura en el seminario arriba mencionado, el caso Alemania presenta una relación con lo real tal vez única, trágica, siniestra,  a causa de la Shoah. Un real que en muchos sectores ni siquiera pudo empezar a ser simbolizado. Pero en otros discursos tal vez empiecen a establecerse algunos bordes. De ahí que la movida Zadig haya dado a nuestro grupo una impronta muy especial para nuestra orientación hacia la ciudad.

Podríamos decir también que en particular hay en Berlín rastros de un segundo real que fue el muro.

Pero sin duda esta es una historia que no tiene por asomo la dimensión del holocausto y está mucho más simbolizado. De hecho, incluso trae un mensaje esperanzador para otros pueblos: los muros caen, se puede vivir sin muros.

Cuando se crea Zadig, un nuevo hito marca la historia de Alemania: la llegada de aprox. un millón de refugiados huyendo de la guerra civil en Siria.

En este marco de holocausto, muro y refugiados es donde podríamos situar tal vez el “factor c” alemán, como Lacan designaba al rasgo socio-cultural que marca el perfil de un país.

Y ahí es donde tratamos de interpretar esa realidad a partir de las siguientes actividades orientadas por Zadig.

-          Jornada con Daniel Roy como invitado – “Odio y violencia”  – 2018 – Alianza Francesa Berlin

-          Jornada con Reginald Blanchet como invitado – “Sobre fronteras y pasiones, 30 años después de la caída del muro “– 2019, actividad realizada en el Sprechsaal

-          Proyecto de jornada y elaboración de una invitación a la escritora berlinesa y premio Nobel Herta Müller (lamentablemente ella no pudo responder la invitación) - 2020

-          En plena crisis de salud mental durante el pico máximo de la pandemia del Covid pusimos en marcha una red solidaria de atención psicoanalítica y telefónica en varios idiomas - durante el pico de la crisis de la pandemia del COVID 2020. Éramos conscientes que el psicoanálisis tenía que estar a la altura de la circunstancias y no dar la espalda a la gente.

-          Publicación revista LOB Nr 5 – „Política“ – 2021 con artículos sobre la extimidad, los síntomas modernos, las letosas, el no-todo.

Sin duda que nuestras actividades inspiradas en el espíritu Zadig seguirán adelante. Hay mucho por hacer, mucho real por ayudar a cernir, mucha “luz interior” por convocar.





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jueves, 10 de noviembre de 2022

New Lacanian School - Congress "Discontent and Anxiety in the Clinic and in Civilisation" - Paris 20 & 21 may 2023

 

Berlin, Nov. 2022, posted by Claudio Steinmeyer



Mi presentación (en alemán)  en el seminario previo de Berlín se llevará a cabo el día 18/1/23 por Zoom y tendrá como título "De un Umwelt al Un-welt". Estarán todxs invitados 













INITIATIVE BERLIN : Einladung zur Bildung von Kartellen 2026-27

  Berlin, Sep. 2026, posted by CS